was ich über Musik weiß

Harmonics (Obertöne, Flageolett)


Fast jeder Gitarrist kennt sie, die Flageolett-Töne. Zur Stimmung des Instruments eignen sie sich vortrefflich. Zu Erzeugen sind sie recht einfach auf den offenen Saiten, indem man diese beim Anschlag kurz am 5. 7. oder 12. Bund berührt. Macht man es richtig, tönt unser Instrument in den Obertönen. Du kannst damit aber noch viel mehr machen, als die Gitarre zu stimmen. Wie das geht und warum das geht, sei im Folgenden kurz beschrieben.

Wieder ein bisschen Theorie:


Bringt man eine Saite zum Klingen, schwingt sie auf ihrer ganzen Länge in ihrer Grundfrequenz. Schafft man es, die Saite mit einem Vielfachen der Grundfrequenz schwingen zu lassen, bilden sich Schwingungsknoten und sie erklingt sie in den jeweiligen Obertönen. Bei doppelter Frequenz liegt dieser Knoten genau in der Mitte auf Höhe des zwölften Bundes.


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Drückt man den 12 Bund (genau die halbe Saitenlänge), schwingt der freie Teil der Saite in ihrer halben Grundfrequenz.

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Tippt man die Saite beim Anschlag nur kurz auf halber Länge an, schwingt die ganze Saite in ihrer halben Grundfrequenz. Deutlich ist der Schwingungsknoten in der Mitte zu erkennen. Man kann die Saitenlängen natürlich auch dritteln (am 7.Bund), vierteln (am 5. Bund) oder sogar fünfteln (zwischen 3. und 4. Bund).

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Würde der Effekt nur bei offenen (freischwingenden) Saiten zu provozieren sein, wäre er für das Solospiel ziemlich wertlos. Zum Glück ist die Gitarre ein sehr vielseitiges Instrument, mit dem man so einiges anstellen kann. Natürlich hat auch der schwingende Teil einer gedrückten Saite eine halbe Länge.

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Spielt man die Saite nun in der Nähe der halben Länge an und berührt dann diesen Punkt mit dem Plektrum oder dem Finger der Spielhand, klingt das schwingende Stück Saite in ihren Obertönen.

So fein das klingt, so viel Übung braucht man dafür. Das Abschätzen des Knotenpunktes erfordert viel Erfahrung, genau so wie das richtige Antippen der Saite.

natural harmonics

die, die jeder kennt - sind sie doch zur Stimmung der Gitarre sehr gut geeignet



pinch_harmonics

hat wahrscheinlich auch schon jeder von Euch gehört. Haltet dafür Euer Plektrum so, das es an der Daumenkante nur ein paar Milimeter vorsteht. Wollt Ihr harmonics, dreht einfach die Hand ein bisschen, damit der Daumen nach dem Anschlag die Saite kurz berührt. Echte Könner provozieren diese Obertöne wann immer sie wollen. Ich selbst kann das nicht, was aber nicht so schlimm ist. Heulen sie nicht auf, ist der Ton zumindest nicht falsch - und falls sie doch heulen, habt Ihr Grund zur Freude.




harp harmonics

hier wird die Saite mit dem Plektrum oder Finger angeschlagen und mit dem Zeige- oder Mittelfinger angetippt. Im Gegensatz zu den pinch harmonics erzeugst Du hier fast glockenartige Klänge.




Die hier gezeigten Beispiele sind leider nur zum Zeigen der Technik gut - wollt Ihr wirklichen Profis zusehen, schaut Euch das einmal bei Eric Johnson oder Tommy Emmanuel an.