Pflege/ Wartung
Lagerung, Transport
Idealerweise liegt Deine Gitarre in einem maßgeschneiderten Koffer. Sie ist darin vor Erschütterung und raschen Temperaturschwankungen geschützt. Gute Koffer sind nicht gerade billig, so wirst Du vielleicht zu einem wattierten Gitarrensack greifen. Zur Lagerung ist er durchaus ausreichend, beim Transport solltest Du allerdings immer ein Auge drauf haben. Mechanischer Beanspruchung hält ein solcher Bag so gut wie garnicht stand. Keinesfalls solltest Du die Gitarre einfach so irgendwo in der Ecke liegen oder an der Wand hängen haben - Sie verstaubt schnell und ist sämtlichen Umwelteinflüssen ungeschützt ausgesetzt.Bevor Du mit der Gitarre musizierst, lasse sie am Besten nach dem Öffnen noch ein paar Minuten im leicht geöffneten Koffer (Bag). Sie kann sich dann langsam an die Umgebungstemperatur "gewöhnen"
Reinigung
Da das Instrument beim Bespielen mit Schweiß und Fett Deiner Haut in Berührung kommt, tut es ihm wohl, nach dem Auftritt gereinigt zu werden. Dazu reicht es, mit einem weichen, trockenen Tuch über Hals, Korpus und Saiten zu wischen. Ab und zu kannst Du das lackierte Instrument auch mit etwas lösungsmittelfreier Politur einreiben. Ist die Gitarre gewachst, befreist Du sie vor neuerlichem Wachsauftrag von der alten Schicht. Produkte und Beratung holst Du Dir am Besten bei Deinem Instrumentenhändler.Besaitung
Bei aller Pflege und Liebe wird es irgendwann einmal nötig sein, die Saiten zu wechseln. Sei es, weil sie reißen, oder weil sei einfach aufgrund ihres Alters korrodiert sind und nicht mehr gut klingen. Vermeidet, die ganze Saite auf die Mechanik zu wickeln, da darunter die Stimmstabilität leidet. Bei den Stahlsaiten einer E- oder Westerngitarre sollten maximal drei Umwicklungen reichen, ohne dass sie irgendwann mit lautem Getöse durchflutschen. Den Nylon-Diskantsaiten der Konzertgitarre gönne ich vier Umwicklungen. Die zu langen Enden kannst dann ja mit dem Seitenschneider kürzen oder einfach schlampig abstehen lassen. Ist die Saite drauf, nimmst Du sie in der Mitte in die Hand und dehnst sie, indem Du sie vom Hals wegziehst - als würdest Du einen Bogen spannen. Danach wieder stimmen - und wieder dehnen. Wiederhole das, bis sich die Saite durch Dehnen nicht mehr verstimmt. Durch diese Prozedur ist die Stimmung sehr stabil.
Bei Western- und E-Gitarren geht das recht flott, Du solltest nur darauf achten, den Hals nicht zu lange ohne Saitenspannung zu lassen, damit er sich nicht verzieht. Also entweder eine Saite nach der anderen tauschen, oder - im Falle von Pflegemaßnahmen am Griffbrett - zügig arbeiten. Da bei Saiten für Konzertgitarren die Ballends fehlen, kann das Aufziehen hier zu einer Geduldsprobe werden, bis nichts mehr rutscht - aber auch hier gilt: Mit etwas Übung wird das.Nagelpflege
Für uns Gitarristen ist es wichtig, auf unsere Fingernägel zu achten. Die Rocker unter uns werden jetzt wahrscheinlich verdutzt sein, spielen sie doch mit einem Plektrum. Stimmt schon - aber auch die Finger unserer Greifhand haben Nägel. Die sollten so kurz wie möglich sein und rund gefeilt. Nur so ist präzises Greifen möglich. Auch Handcreme schadet nicht, so bleibt die Haut geschmeidig und reißt nicht. Entzündungen wird vorgebeugt.Solltet Ihr manchmal auch Fingerpicking betreiben, also zupfen, ist auf die Nägel der Spielhand besonderes Augenmerk zu legen. Für einen gut definierten Anschlag sollten sie mindestens so lange sein, dass sie über die Fingerkuppe hinausragen. Du solltest ihnen nur mit Nagelfeile zuleibe rücken - also nicht mit Schere oder Knipser. Dadurch vermeidest Du Risse oder Kanten. Wenn Du starke Nägel hast, wirst Du Dich nicht weiter um sie kümmern müssen. Leidest Du aber unter dünnen oder brüchigen Nägeln, gibt es auch hier Cremes und Lotionen, die sie mit Nährstoffen und Mineralien versorgen. Auch hilft es, die Nägel zu lackieren (für die Herren unter uns gibt es auch farblose, matte Lacke).
Justierung
In der Regel wird es bei Konzertgitarren kaum etwas zu justieren geben. Auch Westerngitarren sind hier sehr wartungsarm. Am wahrscheinlichsten wirst Du einmal Hand an Deine E-Gitarre legen. Es reicht schon, zu einer neuen Saitenstärke zu greifen, und der Hals verbiegt sich aufgrund der geänderten Saitenspannung - Zum Glück gibt es hier den Spannstab im Hals, dessen Justierung ich hier kurz beschreibe:Halsspannstab (truss rod)
Werksseitig sollte Dein Instrument optimal bespielbar eingestellt sein. Wenn Du also nichts daran änderst, sollte es auch nicht nötig sein, daran herum zu schrauben. Der Hals hat idealerweise eine ganz leichte Krümmung nach vorne. Dabei sind seine Eigenspannung und der Zug der Saiten im Gleichgewicht. Änderst Du die Saitenstärke, ändert sich auch die Kraft, die auf den Hals wirkt. Dünnere Saiten ziehen schwächer, der Hals wird sich nach hinten krümmen. Greifst Du nun einen Bund hinter dem Krümmungsgipfel, wird die Saite im schlimmsten Fall weiter in der Mitte am Hals aufliegen und grauenhaft scheppern. Ziehst Du stärkere Saiten auf (klingen halt doch um einiges fetter), werden die neuen Saiten den Hals nach vorne biegen. Jetzt scheppert zwar nichts, aber in der Mitte des Halses kann der Abstand zwischen Saite und Hals riesig werden, ein flüssiges Spiel ist kaum noch möglich. Mit dem Halsspannstab kann dem entgegen gewirkt werden. Dieser Stab ist von außen zugänglich (bei Westerngitarren über das Schallloch, bei E-Gitarren über die Kopfplatte in der Nähe des Sattels. Als Werkzeug brauchst nur einen 6-Kant Inbus-Schlüssel und schon kann es losgehen (Vorsicht, falsch angewendet kann diese Prozedur Schaden an Deinem Instrument anrichten, solltest Du unsicher sein, kontaktiere Deinen Händler, er wird Dir sicher gerne helfen).
Drücke die hohe E-Saite am 1. und am 15. Bund. Am 7. Bund sollte der Abstand zwischen Saite und Bundstäbchen zwischen 0.5mm und 1mm betragen. Ist er geringer, ist der Hals zu weit nach hinten gekrümmt, der Halsspannstab muss gelockert werden. Lockere alle Saiten und drehe die Schraube eine viertel Drehung gegen den Uhrzeigersinn. Aber Vorsicht: Nie mehr als ein viertel Drehung!! Nun stimmst Du die Gitarre wieder und wartest. Am besten einen Tag, dann kannst Du ziemlich sicher sein, dass der Hals stabil ist. Passt der Abstand am 7.Bund nun, ist die Korrektur abgeschlossen, ist der Abstand noch zu gering, wiederholst Du vorsichtig den Vorgang. Vorsicht ist hier wirklich ganz, ganz wichtig - ist der Halsspannstab einmal kaputt, wird eine Reparatur teuer.
Sollte der Abstand am 7. Bund zu groß sein, muss der Halsspannstab gespannt werden - die Vorgehensweise ist die gleiche, nur drehst Du die Schraube im Uhrzeigersinn.
Oktavreinheit
Ja was ist denn das schon wieder? Nun, eigentlich ganz einfach: Drückst Du den zwölften Bund, sollte die Saite genau eine Oktave höher klingen, als im freischwingenden Zustand. Tut sie das nicht, muss die Saitenlänge mit Hilfe der Saitenreiter eingestellt werden. Stimme die Saite mit einem elektronischen Stimmgerät. Nun prüfst Du den Flageolett-Ton des zwölften Bundes mit dem Stimmgerät. Du wirst sehen, das der Zeiger den Ton genau anzeigt (alles andere wäre unlogisch). Jetzt drueckst Du den 12 Bund und testest wieder. Zeigt das Stimmgerät wieder genau den Ton an, ist diese Saite oktavrein. Ist der angezeigte Ton zu hoch, ist die Saitenlänge zu kurz.
Entspanne die Saite und bring das Böckchen der Saite mit den Einstellschrauben näher zum Steg. Auch hier gilt wieder: alles in homöopathischen Dosen. Stimme die Saite wieder, wart ein wenig, stimme wieder und prüfe. Passt es, ist's gut, ansonsten beginnt das Spielchen von vorne. Ist beim Prüfen der Ton des 12. Bundes zu tief, bringst Du das Böckchen näher zur Mitte. Nach der Justage der Halskrümmung solltest Du unbedingt auch die Oktavreinheit prüfen.Sollte Dir einmal jemand gesagt haben, Du mögest die Bundreinheit einstellen, sei Dir kurz folgendes gesagt: Ist Deine Gitarre nicht bundrein, wurde sie fehlerhaft bundiert. In dem Fall kannst Du nur, sofern der Hals nicht angeleimt ist, diesen abschrauben und ihn in die Tonne treten. Zum Glück ist im Zeitalter der computergesteuerten Fertigung ein solcher Fehler so gut wie auszuschliessen.
Saitenlage
Die Saitenlage ist nichts anderes, als der Abstand der Saiten zu den Bünden. Ist sie zu niedrig, schnarren sie, ist sie zu hoch, sind sie schwer bespielbar. Es mag sein, dass Dir das jetzt bekannt vorkommt.
Richtig - wir hatten die selben Symptome schon bei falscher Halskrümmung. Aber da wir den Hals ja korrigiert haben, kann es daran ja wohl schlecht liegen. Liegts auch nicht. Auch hier helfen Dir die Saitenreiter, die auch in der Höhe mittels Sechskantinbus-Madenschrauben indivituell einstellbar sind. Hier wirst Du probieren müssen, bis Du die Saitenlage gefunden hast, die Dir zusagt und trotzdem noch spielbar ist.Vibrato
Da ich keine Gitarre mit ultramodernem Floyd Rose Vibrato besitze, werde ich mich hier auf ein einfaches Vibrato einer Stratocaster beschränken und für andere Vibratosysteme vorerst auf wikipedia verweisen.
Ihr solltet Euch zu allererst überlegen, ob Ihr das Vibrato überhaupt verwenden wollt. Ich persönlich fange damit garnichts an. Bei meinen Versuchen verstimmte sich das Instrument laufend und Saiten rissen - deshalb habe ich es "ausgeschaltet". Dazu spannt Ihr alle verfügbaren Federn ein und klemmt notfalls in der Federkammer des Vibratos ein Holzklötzchen Zwischen Federblock und Korpus. Dadurch sitzt das System bombenfest und - welch Freude - überträgt auch die Schwingungen der Saiten besser. Ausserdem sind sämtliche zuvor beschriebenen Einstellungen problemlos - ein freischwebend eingestelltes Vibrato kann einen da schon zum Schwitzen bringen.Andererseits denkt Ihr Euch vielleicht, dass Ihr das Ding auch nutzen wollt, wenn es schon dabei ist. Viel gibts nicht zu sagen - Der Zug der Saite soll sich mit dem Zug der Federn die Waage halten. Spannt so viele Federn ein, wie dafür nötig sind und justiert nötigenfalls mit den Schraube des Federhalters.